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Aktualisiert: 17:06 | 25. July 2019

Fehlende Banklizenz: BaFin warnt vor BCB4U Bank AG der österreichischen MCV-CAP Beteiligung AG

Fehlende Banklizenz: BaFin warnt vor BCB4U Bank AG der österreichischen MCV-CAP Beteiligung AG Quelle: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

Villach/Ennetmoos – Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts und vereinigt unter ihrem Dach die Aufsicht über Banken, Finanzdienstleister, Versicherer und den Wertpapierhandel. Ihr Hauptziel ist die Gewährleistung eines funktionsfähigen, stabilen und integren deutschen Finanzsystems. Umso schwerer wiegt es, wenn die BaFin öffentlich zur Vorsicht bei bestimmten Finanzprodukten oder Finanzunternehmen mahnt. Für Anleger und Kunden sollten dann die Alarmsirenen schrillen.

Mit Datum vom 5. Juli 2019 warnte sie vor unerlaubten Geschäften einer BCB4U Bank AG, die von der österreichischen MCV-CAP Beteiligung AG gegründet worden sein soll. Unter der Überschrift „BCB4U Bank AG kein nach § 32 KWG zugelassenes Institut“ heißt es auf der offiziellen Internetseite der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: „Die BaFin weist darauf hin, dass sie der BCB4U Bank AG keine Erlaubnis gemäß § 32 Kreditwesengesetzes (KWG) zum Betreiben von Bankgeschäften oder Erbringen von Finanzdienstleistungen erteilt hat. Die Unternehmen Tycoon69 AG mit Sitz in Ennetmoos in der Schweiz sowie MCV-CAP Beteiligung AG mit Sitz in Österreich behaupten wahrheitswidrig, über eine Banklizenz für die von ihnen angeblich gegründete BCB4U Bank AG zu verfügen. Keines der genannten Unternehmen untersteht der Aufsicht der BaFin. Die Unternehmen sind auch nicht befugt, grenzüberschreitend im Inland gegenüber deutschen Kunden Bankgeschäfte zu betreiben oder Finanzdienstleistungen zu erbringen.“

Der Warnhinweis erschien in der Rubrik „Unerlaubte Geschäfte“. Das bezieht sich auf den Umstand, dass jeder, der Bank-, Versicherungs-, Investment- oder E-Money-Geschäfte tätigen oder Finanzdienstleistungen oder Zahlungsdienste erbringen will, der vorherigen schriftlichen Zustimmung der BaFin bedarf. In Fachkreisen ist von einem vorbeugenden Verbot mit Bewilligungspflicht die Rede. Diese Erlaubnis hat die BCB4U Bank AG definitiv nicht, was auch ein ungutes Licht auf die hinter ihr stehende MCV-CAP Beteiligung AG aus dem österreichischen Villach wirft.

Das von CEO Christian Strasser, CTO Ernst Gaulhofer und CFO Thomas Liebert geführte Unternehmen sieht sich selbst als Spezialist in den Bereichen Technologie, Software, FinTech und Banking. Man unterstütze die „Durchführung von revolutionären und innovativen Projekten, um fortgeschrittene Technologien schnell und kostengünstig für die breiten Massen verfügbar zu machen“. Ziel sei eine „Kombination aus traditionellem und Blockchain-Banking“, um einfachere und effizientere Banktransaktionen zu ermöglichen. Neben Krypto-Banking und dem Hybridbankgeschäft will die MCV-CAP Cashback-Software, digitale Gutscheinsysteme, bargeldlose Zahlungslösungen, ECO-Produktintegration, Versicherungs- und Bankprodukte und vieles rund um die Blockchain-Technologie anbieten.

Nicht nur auf ihrer Internetseite präsentiert sich die MCV-CAP Beteiligung AG sehr selbstbewusst, sondern auch in der internationalen Blockchain-Szene. Garniert mit der üblichen Innovationsrhetorik will man ganz unbescheiden die größte Krypto-Bank der Welt aufbauen – die Block Chain Bank 4 You (BCB4U Bank). Versprochen wird alles, was das Herz internet-affiner Bankkunden höherschlagen lässt: „Crypto-Banking“, „Conventional Banking“, „Cards“, „Wealth-Management“, „Cash Back“ und eine „Crypto-Exchange“. Noch kühner sind die Erwartungen, die in dem am 20. März 2018 veröffentlichten Executive Summary zum Initial Coin Offering (ICO) genannt werden. Demnach soll der BCB4U-Coin die interne Bank- und Loyalitätswährung werden. Außerdem will man bis Ende 2023 die weltweit größte Blockchain-Bank mit rund 12 Millionen Kunden und voraussichtlich 1,8 Milliarden BCB4U-Überweisungen pro Jahr sein.

Dass diese Blütenträume platzen würden, dämmerte dem Krypto-Experten Markus Miller schon vor der BaFin-Warnung vom 5. Juli 2019. Der Chefanalyst der Informations- und Kommunikationsplattform KRYPTO-X.BIZ erinnert in der Juli-Ausgabe 2019 von „Network-Karriere“ daran, dass er bereits im letzten Jahr vor dem Schweizer Unternehmen Tycoon69 AG unter CEO Stefan Hostettler gewarnt habe. Dieser sei „ein vollkommen dubioser MLM-Networker, der schon mehrfach – teils spektakuläre – ‚Pleiten‘ hingelegt und dabei verbrannte Erde hinterlassen“ habe. Miller schreibt in der aktuellen Ausgabe von Europas größter Direktvertriebszeitung: „Ich war und bin davon überzeugt, dass dieses Schicksal auch die Tycoon69 AG – und leider auch wieder zahlreiche gutgläubige Investoren und Vertriebspartner – treffen wird. Als ich das Wort ‚Tycoon 69‘ zum ersten Mal gehört habe, dachte ich an eine Pornoseite. Aber es umschreibt ein dubioses MLM-Vertriebssystem für angebliche Krypto-, Blockchain-, Bank- und Finanzdienstleistungen in Kooperation mit einer MCV-CAP Beteiligung AG aus dem österreichischen Villach.“ MLM steht für Multi-Level-Marketing beziehungsweise Network-Marketing und ist eine Spezialform des Direktvertriebs. Im Unterschied zum klassischen Direktvertrieb werden Kunden hierbei angehalten, als selbstständige Vertriebspartner weitere Kunden anzuwerben.

Analyst Miller gibt weitere seiner Kenntnisse preis: Die Tycoon69 AG sei die Vertriebsschiene für die MCV-CAP Beteiligung AG. „Dieses dubiose Unternehmen wollte vor einiger Zeit ein ICO durchführen zur Finanzierung einer zukünftigen ‚Blockchain‘ - bzw. ‚Kryptobank‘ und ist damit faktisch gescheitert. Jetzt soll mithilfe der Vertriebspower der Tycoon69 AG ein BCB4U-Coin und eine BCB4U-Bank ins Leben gerufen werden. Aktuell wird angeblich versucht, eine bestehende Bank zu akquirieren, um an eine Banklizenz zu kommen.“ Diese Lizenz hat man bis heute nicht und wird sie wohl auch nie bekommen, wie die BaFin-Mitteilung nahelegt.

Gehört die MCV-CAP also zu den schwarzen Schafen im Krypto-Network-Marketing? Manche Branchenkenner sind dieser Meinung. „Ich gehe derzeit nicht davon aus, dass hinter der MCV-CAP Beteiligung AG Betrüger stehen, aber offensichtlich vollkommen naive und verantwortungslose Personen, die in ihrer Kompetenz zu hinterfragen sind und die sich faktisch mit einem dubiosen MLM-Vertriebssystem einlassen“, so Markus Millers Einschätzung. Aber jeder potenzielle Kunde und Geschäftspartner muss ja selbst wissen, was er mit seinem Geld macht.

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