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Aktualisiert: 8:46 | 16. April 2021

Creamona: Tom Rohrböck hofft auf einen guten Jahrgang für den Valpolicella

  • geschrieben von Sven Göhler
  • Freigegeben in Wirtschaft
Die Creamona-Gruppe um Tom Rohrböck hofft auf einen guten Weinjahrgang 2021 Quelle: Creamona Die Creamona-Gruppe um Tom Rohrböck hofft auf einen guten Weinjahrgang 2021

Verona – Erlesener Wein darf nicht fehlen. Das dachte sich auch Tom Rohrböck, der mit seiner Creamona-Gruppe vor allem den Valpolicella ins Auge genommen hat.

Wer sich einen Überblick über die vielen italienischen Weinbaugebiete verschaffen will, muss sich etwas Zeit nehmen. Venetien im Norden Italiens ist eine der exklusivsten Regionen des europäischen Weinbaus. Im Veneto befinden sich die Rebberge sowohl an den Ufern des Gardasees und an der Lagune von Venedig als auch zu Füßen der Dolomiten und in den Hügeln von Mantua. Die Trauben-Kultivierung hat man hier geradezu perfektioniert und kann deshalb eine große Weinvielfalt anbieten. Sie reicht von weißen Reben wie der Prosecco- oder der Garganega-Traube über Chardonnay und Pinot Grigio bis zu den roten Varietäten Corvina und Raboso sowie Cabernet und Merlot. Im Norden grenzt die Region mit der Hauptstadt Verona an Österreich, das Trentino und Südtirol, im Westen an die Lombardei, im Süden an die Emilia-Romagna und im Osten an Friaul-Julisch Venetien.

Die Geografie prägt natürlich auch das Klima und die Bodenbeschaffenheit als Erfolgsfaktoren des Weinanbaus. Das Veneto ist eine Region mit vielfältigen Bodenformen und Mikroklimata, in der rote wie weiße Rebsorten bestens gedeihen. Dort werden heute rund acht Millionen Hektoliter Wein erzeugt. Eine lange Tradition haben neben den autochthonen roten Rebsorten Corvina und Rondinella, die die Basis von Amarone, Bardolino und Valpolicella bilden, auch die roten Bordelaiser Varianten, die teilweise schon seit mehr als 100 Jahren vor Ort heimisch sind. Mehr als die Hälfte der Weinproduktion des Veneto ist bislang den weißen Trauben vorbehalten: von der Glera über die Garganega bis zur Turbiana.

Aus den Weinbaugebieten Venetiens sticht das Valpolicella im Norden Veronas heraus. Das hügelige Valpolicella-Gebiet umfasst 19 Gemeinden und bekommt seine ganz eigene Prägung durch liebliche Weinberge, Obst- und Olivenbäume, rustikale Bauernhäuser sowie venezianische Villen. Landschaftsbestimmend sind zudem grüne Hochebenen, rauschende Wildbäche, tiefe Schluchten und geheimnisvolle Grotten. Weinkenner denken beim Namen Valpolicella sofort an die gehaltvollen Rotweine Amarone und Recioto. Letzterer gilt unter Weinliebhabern als „kleiner Bruder“ des Amarone, zu dessen Herstellung die Trauben zunächst getrocknet werden. Nach der Gärung hat der dunkle Rotwein einen leicht bitteren Geschmack und ist ein Liebhabertropfen. Der Recioto wird in einem ähnlichen Verfahren hergestellt, gärt jedoch nicht durch. Zu den bitteren Aromen gesellt sich deshalb eine charakteristische Süße, die perfekt zu Desserts passt. Das Valpolicella ist die unbestrittene Heimat des Amarone, der italienische Weingeschichte geschrieben hat. Derzeit werden rund 14 Millionen Flaschen dieses opulenten Rosso aus angetrockneten Trauben wie Corvina und Rondinella produziert. Aus diesen Rebsorten entstehen in der Region auch noch der fruchtige Valpolicella, der kernige Ripasso und der süße Recioto.

Die ersten Spuren des Weinbaus im Valpolicella stammen aus der Zeit zwischen dem 7. und 5. Jahrhundert vor Christus. In der Römer-Ära hieß der Wein aus dem Valpolicella noch Retico und war süßlich. Mit dem Siegeszug des Amarone wurde das Valpolicella erst im 20. Jahrhundert eine der wichtigsten Weinbauregionen Italiens. Die örtlichen Böden umfassen kalkhaltige Sedimentböden genauso wie lehmige Böden mit Sandkomponenten und liegen in einer Meereshöhe zwischen 70 und 450 Metern. Das Klima wird einerseits vom nahen Gardasee, andererseits von den Lessiner Bergen und den Dolomiten geprägt. Oft beeinflusst auch der Herbstnebel die Antrocknung der Trauben für den Amarone.

Ob Valpolicella Classico oder nur Valpolicella auf dem Etikett der Weinflasche steht, hängt davon ab, ob der edle Tropfen aus der Classico-Zone in fünf Tälern nördlich von Verona oder aus dem erweiterten nordöstlichen Gebiet stammt. Die Weine der Appellation sind Valpolicella DOC, Valpolicella Ripasso DOC, Amarone della Valpolicella DOCG sowie Recioto della Valpolicella DOCG. Weine, die als Denominazione di Origine Controllata (DOC) auf den Markt kommen, entsprechen den deutschen Qualitätsweinen bestimmter Anbaugebiete (QbA). Weine dieser Qualitätskategorie stammen ausschließlich aus dem genannten Anbaugebiet. Strenge Vorschriften regeln Fragen der Rebsorten, der Lage, der Bodenbeschaffenheit, der Ertragsmenge, der Beschneidungssysteme sowie der Kelterung und Lagerung. Denominazione di Origine Controllata e Garantita (DOCG) steht für die höchste Qualitätsstufe italienischer Weine und ist mit einem deutschen Prädikatswein vergleichbar. Momentan kommen 71 DOCG-Weine aus Italien, die meisten davon aus dem Piemont, der Toskana und aus Venetien.

Das DOC-Weinbaugebiet des Valpolicella umfasst rund 4.000 Hektar Rebfläche. Dort wachsen die Sorten Rondinella, Corvina Veronese und Molinara, aber auch Barbera und Sangiovese. Grundlage eines DOC-Weines aus dem Valpolicella ist stets eine Traubencuvée: Dominant ist zumeist Corvina, die Rebsorte, die dem Wein seine typischen Kirscharomen und seine Struktur verleiht. Dazu kommen noch Corvinone, Rondinella oder Oseletta, die den Wein mit Frische, Säure und Aroma versorgen. Ein Valpolicella Superiore oder auch Classico Superiore hat einen Reifeprozess von mindestens einem Jahr hinter sich. Ein Amarone muss sogar mindestens drei Jahre lagern.

Klimatisch ist die Region Valpolicella bestens für die Rotwein-Herstellung geeignet und liegt weingeografisch zwischen Bardolino und Soave. Dank der Winde am Gardasee funktioniert auch die Trauben-Trocknung in luftigen Hallen reibungslos. Nach dem norditalienischen Anbaugebiet ist der berühmte Rotwein benannt. Der hellrubinrote Valpolicella ist ein eher leichter Wein, der oft jung und im Sommer leicht gekühlt getrunken wird. Sein Bouquet ist fruchtig mit Bittermandel-Anklängen, er wirkt im Gaumen nussig und hat meist einen leicht bitteren Nachgeschmack. Der Wein hat viele Gemeinsamkeiten mit dem Bardolino, ist aber in der Regel kräftiger und kann länger gelagert werden. Beim Valpolicella gibt es wahre Spitzenqualität durch komplexe, gehaltvolle Tropfen aus der Valpolicella-Classico-Zone, die vom Temperaturausgleich des Gardasees profitiert. Auch das berühmte Ripasso-Verfahren, bei dem nach der Erst-Gärung durch Zugabe von Recioto- oder Amarone-Maische eine zweite Gärung erfolgt, macht den Valpolicella besonders geschmackvoll.

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