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Aktualisiert: 17:06 | 25. July 2019

Urteil nach Prügelattacke - Bewährungsstrafen für prügelnde Mädchen

  • geschrieben von Susanne Hagel
  • Freigegeben in Politik
Urteil nach Prügelattacke - Bewährungsstrafen für prügelnde Mädchen Quelle: pixabay.com

Stuttgart - Im vergangenen November schockierte ein Video ganz Deutschland: eine 13-jährige wurde darin von drei anderen Mädchen brutal verprügelt, während weitere Komplizen das Geschehen filmten und anschließend ins Netz stellten. Nun verurteilte das Amtsgericht Tübingen die Täterinnen.

Insgesamt wurden fünf der insgesamt sieben angeklagten Jugendlichen verurteilt. Die Richter folgten dabei weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft und verurteilten die zwei 14-jährigen Haupttäterinnen wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen von je einem halben Jahr. Die Strafe wurde zur Bewährung von zwei Jahren ausgesetzt. Zusätzlich wurde ein einwöchiger Arrest verhängt und achtzig Sozialstunden erteilt. Ein weiteres Mädchen, welches die Tat gefilmt hatte und außerdem in einem anderen Fall ebenfalls gewalttätig geworden war, sowie zweimal beim Klauen erwischt worden ist, erhielt ebenfalls achtzig Stunden gemeinnützige Arbeit. Ebensoviele Stunden muss auch eine 15-Jährige  für das Filmen der gewalttätigen Attacke ableisten. Die fünfte Angeklagte, die 14 Jahre alt ist, erhielt wegen Beihilfe zur Körperverletzung sechzig Stunden erteilt. Außerdem zog das Gericht, zum Entsetzen der Täterinnen, ihre Mobiltelefone ein. Die Verfahren gegen zwei Jungs, 15 und 16 Jahre alt, wurde gegen die Auflage von je dreißig Arbeitsstunden eingestellt, weil sie nur am Rande beteiligt waren. Ein weiteres Mädchen, welches auf das Opfer eingeprügelt hatte, war zum Zeitpunkt der Prügelattacke noch nicht strafmündig und wurde dementsprechend nicht angeklagt.

Einsichtig zeigten sich die Jugendlichen bei der Verhandlung Medienberichten zufolge nicht. So brachen sie etwa in Kichern und Lachen aus, als das Beweisvideo noch einmal abgespielt worden ist und hätten sich auch sonst nicht reumütig gezeigt. Erst zur Urteilsverkündung, als sie vom Einzug ihrer Mobiltelefone erfuhren, seien sie in Tränen ausgebrochen, heißt es nach Berichten von Anwesenden. Die Öffentlichkeit war bei der Verhandlung ausgeschlossen.

Die sieben Angeklagten sind alle gerade einmal zwischen 14 und 16 Jahre alt. Die Clique hatte aus bis heute ungeklärten Motiven heraus die 13-Jährige auf einem Spielplatz in der Nähe einer Schule in Tübingen angegriffen: Drei Mädchen schlugen abwechselnd auf das Mädchen ein. Die anderen waren laut Aussage der Staatsanwältin Michaela Nörr „Teil einer Drohkulisse“ und nahmen die brutale Attacke mit ihren Mobiltelefonen auf.

Das Video stellten die Täter anschließend ins Internet. Es verbreitete sich rasend schnell und sorgte für maßloses Entsetzen. Die Polizei appellierte an die Nutzer sozialer Medien, das Video nicht weiter zu verbreiten. Der zuständige Richter erklärte ebenfalls, das Opfer werde wegen der Verbreitung der Aufnahmen im Internet dauerhaft mit der Tat konfrontiert. Diesen Fakt habe man deshalb bei den Strafen auch berücksichtigt.

Stefan Middendorf vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg erklärte, es sei schwierig, Material aus dem Internet zu entfernen. Die Chancen stünden aber umso besser, je eher ein Opfer sich melde. „Aber die Garantie kann Ihnen letztlich keiner geben“, so Middendorf.

Noch immer ist unklar, wer das Video im Internet veröffentlicht hatte. Wie Polizeisprecherin Andrea Kopp erklärte, warten die Ermittler noch immer auf die Informationen der Seitenbetreiber. Außerdem werde es keine Verfahren gegen die zahllosen Nutzer geben, die in den sozialen Netzwerken zur Selbstjustiz und Gewalt gegen die brutalen Täterinnen aufgerufen hatten. Zunächst hatte die Polizei aufgrund der großen Empörung innerhalb der Bevölkerung über die maßlose Gewalt der prügelnden Mädchen und den damit verbundenen Lynchaufrufen gegen die Täterinnen angedroht, Ermittlungen wegen Bedrohung oder Störung des öffentlichen Friedens aufzunehmen. Kopp widerrief diese Androhung nun offiziell: „Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, wir könnten da alle Einträge lesen.“ Zudem seien die überprüften Formulierungen „zu uneindeutig“. Verfahren werde es keine geben.

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