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Aktualisiert: 17:06 | 25. July 2019

Stratfor-Analyse zum islamistischen Terror in Frankreich

  • geschrieben von Johann W. Petersen
  • Freigegeben in Politik
Stratfor-Analyse zum islamistischen Terror in Frankreich Quelle: stratfor.com

Berlin - Nach Ansicht des US-Nachrichtendienstes Stratfor wird der islamistische Terror dazu beitragen, Europa zu destabilisieren. Die Bedrohungslage in den USA sei hingegen geringer einzustufen, da Muslime dort besser integriert seien. In einer aktuellen Analyse kommt der privatwirtschaftlich betriebene Infodienst, der unter anderem Berichte und Zukunftsprojektionen zur Geopolitik anbietet, zu dem Schluss, dass das Attentat auf die Redaktion des Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ und die Geiselnahmen in Paris von einer organisierten Gruppe und nicht von Einzeltätern verübt wurden. Wer die Killer beauftragt und bezahlt habe, sei unklar. Weil alle Täter im Zuge der Fahndung erschossen wurden, sei es unwahrscheinlich, dass die Drahtzieher der Verbrechen ausfindig gemacht werden könnten.

Stratfor gibt Frankreich indirekt eine Mitschuld an den Überfällen, da die Muslime dort, wie auch in anderen Staaten Europas, in Parallelgesellschaften abgedrängt würden. Insbesondere in den französischen Banlieues befänden sich Einwanderer in einer prekären sozialen Lage, so dass sie, auch gegen Bezahlung, leicht für militante Aktionen zu gewinnen wären. In den USA seien die Muslime hingegen Teil der Gesellschaft. Daher sei unwahrscheinlicher, dass sie in ghettoähnlichen Stadtbezirken isoliert würden. Wenn eine Radikalisierung stattfindet, sei dies lediglich das Resultat einer Selbstradikalisierung. In Europa sei die muslimische Bevölkerung hingegen „entrechtet“, meint Stratfor.

Das Attentat auf die Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“ habe zu einer Zeit stattgefunden, in der der zuwanderungskritische Front National auf immer mehr Zustimmung stoße. Marine Le Pen habe durchaus Chancen, die Präsidentschaftswahl 2017 zu gewinnen. Doch auch in Deutschland werde über Zuwanderung und Islamisierung kontrovers diskutiert. Stratfor spricht in diesem Zusammenhang von „Anti-Islam-Protesten“, womit offenbar die PEGIDA-Demonstrationen in Dresden gemeint sind.

Die US-Analysten sehen Europa in einer politischen Krise. Der Terror von Paris habe eine strategische Intention: In Europa solle das Verhältnis zwischen Einheimischen und  muslimischen Zuwanderern nachhaltig gestört werden. Die Dschihadisten zielten darauf ab, den Staat herauszufordern und zu scharfen Reaktionen zu provozieren, um zu beweisen, dass der „Westen den Muslimen den Krieg erklärt“ habe. Der Westen könne diesen Extremismus allerdings nicht besiegen. Dies sei nur in der innerislamischen Debatte möglich. Hier sieht Stratfor die Muslime gefragt.

Worauf noch hinzuweisen wäre: In einem Wikileaks-Dokument klassifiziert das US-Außenministerium saudische Spender als die „bedeutendste Finanzierungs-Quelle für weltweite sunnitische Terror-Gruppen“. Es müsse mehr Druck auf Saudi Arabien ausgeübt werden, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Zu jenen Gruppen gehört auch der salafistische Islamische Staat (IS).

Bei dem Königreich handelt es sich um einen der engsten Verbündeten der USA. Riad ist maßgeblich an der Finanzierung von internationalen Söldnern beteiligt, die unter anderem in Syrien und im Irak ihr Unwesen treiben. Insofern bewahrheitete sich in Paris auch die Warnung des syrischen Staatspräsidenten Baschar al-Assad: „Wenn die Europäer Waffen an die Rebellen liefern, wird Europa zu einen Nährboden für den Terrorismus geraten und Europa wird den Preis dafür zahlen.“

Letzte Änderung amSonntag, 11 Januar 2015 20:40
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