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Aktualisiert: 17:06 | 25. July 2019

OECD-Studie: Ungleichheit zementiert sich

  • geschrieben von Susanne Hagel
  • Freigegeben in Politik
OECD-Studie: Ungleichheit zementiert sich Quelle: OECD - www.oecd.org/berlin/

Berlin - Eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die sich dem Thema „Soziale Ungleichheit“ widmet, kommt zu dem Schluss, dass die Schere zwischen Arm und Reich in den westlichen Industriestaaten so weit auseinander klafft wie seit dreißig Jahren nicht mehr.

Die Ungerechtigkeit sei dabei am schlimmsten in den USA und Großbritannien – hier gehören gerade einmal drei Prozent des Vermögens den unteren vierzig Prozent des Landes. Deutschland liege mit seinem 14. Platz in der Mitte der 34 in der Untersuchung der betrachteten Staaten. Am gerechtesten gehe es in Skandinavien zu.

„Die Ungleichheit hat in guten wie in schlechten Zeiten zugenommen“, heißt es im Bericht. Erschreckend sei die Entwicklung: Verdienten vor dreißig Jahren die reichsten zehn Prozent der Länder bereits sieben Mal so viel wie die ärmsten zehn Prozent, hat sich dieser Trend rasant beschleunigt. Heute verdienen die obersten zehn Prozent zehn Mal so viel wie die Ärmsten.

Die OECD-Studie räumt zudem mit dem neoliberalem Argument auf, Ungleichheit mache fleißig. Demnach sei die Armut den Armen der Gesellschaft ein Ansporn für mehr Leistung. Um sich selbst aus der Schicht der unteren vierzig Prozent zu befreien, wären sie besonders bemüht um gute Bildung und Arbeit. Die OECD erklärte nun jedoch, die Geringverdiener seien hinsichtlich Bildung und Qualifikation von vorn herein schlechter gestellt. Je ungleicher eine Gesellschaft werde, umso schlechter stünden zudem ihre Chancen. Man habe festgestellt, dass aufgrund von Schulden und Geldsorgen weniger in die Bildung investiert werde: Die Zahl der Uniabsolventen verringerte sich und die Ausbildungszeit wurde im Schnitt um etwa sechs Monate verkürzt.

Eine Ursache für die Entwicklung finde sich in der Gestaltung des heutigen Arbeitsmarkes. Rund ein Drittel aller Arbeitnehmer arbeite in befristeten Verhältnissen, ist selbständig oder nur auf Teilzeitbasis angestellt und damit häufig sehr viel schlechter gestellt als Arbeitnehmer in Vollzeit.

Die Verteilung des materiellen Wohlstandes erfolgt in Deutschland deutlich ungleicher als beispielsweise einigen ehemaligen Ostblockländern. Hierzulande halten die ärmsten sechzig Prozent gerade einmal sechs Prozent des Gesamtvermögens, während die reichsten zehn Prozent fast sechzig Prozent des gesamten Nettohaushaltsvermögens besitzen. „Dieser Wert liegt deutlich über dem OECD-Durchschnitt von fünfzig Prozent“, erklärte der OECD-Experte Michael Förster. Außerdem seien in Deutschland immer mehr Haushalt überschuldet.

Die oberen zehn Prozent beziehen in Deutschland demnach 6,6 Mal so viel wie die unteren zehn Prozent. Mit Sorgen betrachte die OECD dabei vor allem den hohen Anteil atypisch Beschäftigter unter den Geringverdienern, der bei rund vierzig Prozent liegt und die Hauptursache für die große Kluft im Lande sei.

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