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Aktualisiert: 17:06 | 25. July 2019

Manuela Schwesig will künstliche Befruchtung auch für Unverheiratete

  • geschrieben von Susanne Hagel
  • Freigegeben in Politik
Manuela Schwesig Foto: Susie Knoll/SPD Manuela Schwesig

Berlin - Die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will in Zukunft auch unverheirateten Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch die staatliche Förderung der künstlichen Befruchtung zuteil werden lassen. Sie „plane, die finanzielle Unterstützung für Kinderwunschbehandlungen auf nicht verheiratete Paare auszudehnen, die schon länger zusammenleben“, so Schwesig.

„Ich kann nicht verstehen, warum wir es Paaren so schwer machen, die sich nichts sehnlicher als ein Kind wünschen“, erklärte die SPD-Politikerin. Es gehe „total an der Lebenswirklichkeit vorbei“, die Behandlung nur Verheirateten zu bezahlen.

Die Ministerin begründet ihren Vorstoß mit einer vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Studie des Delta-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung. Dieses kam zu dem Schluss, dass rund 25 Prozent der kinderlosen Deutschen im Alter von zwanzig bis fünfzig Jahren ungewollt ohne Nachwuchs lebten - Mehr als sechs Millionen Menschen seien unglücklich kinderlos. Über sechzig Prozent der Kinderlosen wollen nur zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Kinder, zu einem späteren Zeitpunkt hingegen schon. Lediglich dreizehn Prozent der Paare ohne Kinder gaben an, grundsätzlich keine Kinder zu wollen.

Der Kinderwunsch ist zwar bei beiden Geschlechtern gleich stark ausgeprägt, er verschiebt sich jedoch immer weiter nach hinten: So sind 79 Prozent der Deutschen zwischen zwanzig und 29 Jahren heute kinderlos, das sind 72 Prozent der Frauen und 85 Prozent der Männer. Selbst im Alter von vierzig bis fünfzig Jahren ist noch fast jeder Vierte ohne Nachwuchs: achtzehn Prozent der Frauen und 29 Prozent der Männer. Der Anteil unverheirateter Paare mit unerfülltem Kinderwunsch liegt mit 38 Prozent doppelt so hoch als der bei Ehepaaren (19 Prozent).

Zudem warf Schwesig der Wirtschaft eine Mitschuld an der niedrigen Geburtenrate in Deutschland vor. „Ganz viele haben zwar einen Kinderwunsch, realisieren ihn aber nicht, weil sie in der Arbeitswelt an Hürden stoßen“, erklärte sie. „Befristete Arbeitsverträge wirken stärker auf die Geburtenrate als die Pille. Wer sich von Jahresvertrag zu Jahresvertrag hangelt, traut sich oft nicht, sich für ein Kind zu entscheiden.“ Die Zahl der befristeten Arbeitsverträge steigt seit 2001 kontinuierlich an, ohne ersichtlichen Grund, so Schwesig. Mittlerweile liegt die Zahl bei 1,3 Millionen.

Marcus Weinberg, der familienpolitische Sprecher der Union im Bundestag, forderte Schwesig auf, bei der künstlichen Befruchtung zunächst erst einmal bundesweit für einheitliche Regelungen für Ehepaare zu sorgen, bevor sie finanzielle Unterstützung  auch Unverheirateten gewähre. Die staatlichen Zuschüsse schwanken nämlich stark, je nachdem in welchem Bundesland das Paar lebt.

Wie wichtig gerade in Bezug auf mögliche gemeinsame Kinder eine stabile Beziehung ist, habe zudem auch das Bundessozialgericht erkannt, ergänzt Weinberg. Dieses entschied, dass Krankenkassen keine Kosten bei unverheirateten Paaren übernehmen müssen, weil nur in der Ehe die gesetzliche Verpflichtung zu gegenseitiger Übernahme von Verantwortung garantiert sei, wovon auch die Kinder profitieren. Allein den Kindern zuliebe müsse der Staat Bedingungen für eine größtmögliche familiäre Stabilität formulieren.

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