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Aktualisiert: 17:06 | 25. July 2019

Erfurt - Demonstration gegen Rot-Rot-Grün

  • geschrieben von Susanne Hagel
  • Freigegeben in Politik
Bodo Ramelow Quelle: bodo-ramelow.de Bodo Ramelow

Erfurt - Etwa viertausend Menschen haben am gestrigen Sonntagabend auf dem Erfurter Domplatz gegen eine rot-rot-grüne Landesregierung unter dem linken Politiker Bodo Ramelow demonstriert.

Aufgerufen hatte dazu Clarsen Ratz, Vizechef der CDU-Mittelstandsvereinigung Thüringen, via Facebook. Einige hundert Nutzer hatten sich virtuell angemeldet. Rund sechshundert erwartete die Polizei im Vorfeld der Veranstaltung. Fast viertausend kamen tatsächlich: sie verwandelten den Platz vor dem Erfurter Dom am Abend des 25. Jahrestages des Mauerfalls mit tausenden Kerzen in ein Lichtermeer und setzten ein Zeichen gegen einen linken Ministerpräsidenten für Thüringen. "Wir akzeptieren die demokratische Wahl, aber uns ist unwohl, wenn die Linke an Macht kommt", erklärte Ratz seine Intention. Matthias Büchner, früherer Bürgerrechtler, verkündete mittels Megaphon vom Sockel des Obelisken aus, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen: "Es war viel schlimmer - sie war von einer Räuberbande gekapert gewesen". Der Ilmenauer SPD-Vorsitzende Stefan Sandmann erklärte, es sei eine "Schande, wenn jetzt meine Partei den Stasis an die Macht verhilft". Sprechchöre wie "Stasi raus!", "Bodo raus!" und "Bodo geh' heim!" - als Anspielung darauf, dass der seit 1990 in Erfurt lebende Ramelow aus Niedersachsen stammt - ertönten aus der bunt gemischten Menge. Auf Schildern sah man Sprüche wie: "Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!"

Vielen Teilnehmern war es gerade anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls wichtig an die Kundgebungen von 1989 und die Gefahr von Links zu erinnern. Neben Deutschlandfahnen, fanden sich thüringische Landesflaggen. Einige Teilnehmer stimmten die deutsche Nationalhymne an. Peter Luthardt, einer der zahllosen Erfurter Bürger, die an diesem Abend gekommen waren, erklärt: "Wir wollen hier zum Ausdruck bringen, dass die Thüringer Bevölkerung das nicht will!"

Steffen Dittes, Vizechef der Thüringer Linken, stellte eine extreme Personalisierung fest angesichts der "Bodo raus!"-Rufe. "Ich trenne aber durchaus zwischen Leuten, die sich um ihr Land sorgen und Leuten, die aus ideologischen Gründen hier sind", so Dittes. Die Linke verwies mit Transparenten wie "Union, AfD & Nazis Hand in Hand - das ist die Schande in diesem Land" an diesem Abend auf den 76. Jahrestags der Reichsprogromnacht und mahnte die Bürger, die für ihre politische Ansichten auf die Straße gehen, dies nicht Seite an Seite mit Rechten zu tun. Ein wenig lächerlich wirkt dieser Vergleich schon, denn laut Aussage der Polizei befanden sich nur circa 35 Rechtsextreme unter den viertausend Bürgern auf dem Domplatz.

Laut Polizeiangaben blieb die Kundgebung insgesamt friedlich. Die Beamten hatten bewusst vielfach auf den Einsatz von Helmen verzichtet, um die Lage nicht anzuheizen. Es sei zu einigen hitzigen Wortgefechten mit linksextremen Gegendemonstranten gekommen. "Die Stasi hätte euch sonst wohin getrieben", soll einer der Demonstranten den Linken erwidert haben. Eine Unbekannte habe einem 21-Jährigen, der ein Plakat trug, mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Die Polizei nahm Anzeige wegen Körperverletzung auf. Gegen Ende der Veranstaltung habe die Polizei rechte Demonstranten und linksextreme trennen müssen, diese hätten sich aufeinander zubewegt und gegenseitig mit Sprechchören angeheizt. Während die Linken "Nie wieder Deutschland" riefen, beantworteten die Rechten die Rufe mit "Wir sind das Volk!", so ein Polizeisprecher.

Aktuell laufen die Koalitionsverhandlungen zwischen der Linken, der SPD und den Grünen weiter. Eine mögliche Wahl zum Ministerpräsidenten ist für den 5. Dezember angesetzt. Dann könnte mit Bodo Ramelow erstmals ein linker Ministerpräsidenten gewählt werden, die CDU säße dann nach 24 Jahren in der Opposition.

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