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Aktualisiert: 11:08 | 30. October 2017

Lidl verzichtet ab 2020 auf giftige Inhaltsstoffe in Kinderkleidung

  • geschrieben von Susanne Hagel
  • Freigegeben in Wirtschaft
Logo von Lidl (c) Lidl Logo von Lidl

Köln - Die Discounterkette Lidl verkündete, sie wolle ab dem Jahr 2020 auf giftige Inhaltsstoffe in Textilien verzichten. Nachdem Greenpeace nach einem Test die hohen Werte der enthaltenen Chemikalien kritisiert hatte, habe man diese Vereinbarung mit Greenpeace getroffen.

Nachdem bereits bei schmutz- und wasserabweisenden Sport- und Funktionstextilien auf die sogenannten poly- und perfluorierte Chemikalien (PFC) verzichtet werde und diese stattdessen durch eine "ökologische Alternative", die biologisch abbaubar und ohne schädliche Nebenprodukte ist, ersetzt worden sind, erklärte die Umweltschutzorganisation Greenpeace, dass Lidl bis Ende Juni 2016 gefährliche Schadstoffe wie Alkylphenolethoxylate aus dem Herstellungsprozess ihrer Textilien streichen werde. Bei der Verwendung von Alkylphenolethoxylate entstehen hochgiftige Stoffe für Wasserorganismen. Bis spätestens Juli 2017 werde dann auch auf all die Stoffe verzichtet, die im Verdacht stehen, das Immunsystem und die Fortpflanzung zu schädigen, hieß es. Weiterhin habe sich Lidl dazu verpflichtet, für mehr Transparenz in der Lieferkette in den Produktionsländern Asiens und weltweit bis Ende 2015 die Abwasserdaten von achtzig Prozent seiner Lieferanten offenzulegen.

"Lidl macht mit der Entscheidung einen gewaltigen ersten Schritt nach vorne", lobte Greenpeace-Chemie-Experte Manfred Santen. "Nun müssen Aldi, Penny, Tesco, Carrefour und Wal-Mart nachziehen." Damit hat nun der erste Discounter Deutschlands auf die Kritik von Greenpeace reagiert. Erst vor kurzem hatte die Umweltschutzorganisation Kinderkleidung und Kinderschuhe verschiedener Discounter auf gefährliche Chemikalien getestet. Lidl schnitt nicht nur in diesem Test schlecht ab, sondern wurde auch reichlich für seine Schwächen beim Rohstoffeinsatz, der Wiederverwertbarkeit der Kleidung und den Sozialstandards in der Produktion kritisiert.

Lidl erwirtschaftet mit seinem Kleidungsgeschäft einen Jahresumsatz von über eine Milliarde Euro und ist somit, neben Aldi und Tchibo, der achtgrößte deutsche Modehändler. Tchibo hatte bereits direkt im Anschluss der Veröffentlichung des katastrophalen Ergebnisses angekündigt, Greenpeaces Handlungsleitfaden zu folgen und somit auf giftige Zusätze zu verzichten. Zusätzlich will das Unternehmen sogar noch ein Rücknahme- und Recyclingprogramm starten. "Die Ramschpalettenzeit ist vorbei. Eine Gegenbewegung zur Ex-und Hopp-Kultur ist bereits sichtbar: weg von Quantität, hin zu Qualität", so Santen. Insgesamt haben sich bereits 21 international führende Modeunternehmen und sechs italienische Zulieferer mit Greenpeace verpflichtet, ihre Produktion bis 2020 zu entgiften. Greenpeace warnt bereits seit Jahren vor den giftigen Abwässern der Textilfabriken, vor allem in asiatischen Produktionsländern. So sei etwa in China zwei Drittel der Gewässer mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien kontaminiert, die vor allem aus der Textilindustrie stammen. Zu den Unternehmen zählen neben Tchibo und nun auch Lidl, unter anderem Zara, H&M, Adidas oder Puma.

Der sehr löbliche Entschluss der Discounterführung weckt jedoch auch die Erinnerungen an in der Vergangenheit aufgedeckte Mauscheleien zwischen Lidl und der Umweltschutzorganisation. So warfen Kritiker den beiden Unternehmen vor, "modernen Ablasshandel" zu betreiben, weil Lidl im Pestizidtest der Umweltschützer einen kometenhaften Aufstieg hin auf den ersten Platz und damit zum besten getesteten Obst und Gemüse machte, nachdem die Supermarktkette rund die Hälfte der Auflage des Greenpeacemagazins gekauft hatte. Während Lidl im Vorjahr noch auf den hintersten Plätzen angesiedelt war, landete das Obst 2007 dann auf den ersten Platz. Zahlreiche Mitarbeiter bestätigten, es habe indes kein Lieferantenwechsel stattgefunden, dafür werfe man nun regelmäßig kiloweise unverkaufte Greenpeace-Zeitschriften in den Müll. Während der Chefredakteur Jochen Schildt damals im Jahre 2007, nichts Anrüchiges daran erkennen konnte, sondern erklärte, er sei "damals auf Lidl zugegangen und habe vorgeschlagen, das Greenpeace-Magazin ins Sortiment aufzunehmen" und die Greenpeace-Sprecherin Svenja Koch erklärte, von einer Kooperation mit Lidl könne keine Rede sein. Das ungewöhnlich gute Abschneiden Lidls habe nicht damit zu tun, dass das Unternehmen nun die Hälfte der der aufgelegten Hefte bezieht, sondern sei seinem guten Handeln, dem Einführen der "Pestizidbremse", geschuldet.

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