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Aktualisiert: 10:07 | 23. November 2018

Diebstahl der Mauerkreuze aus Steuergeldern

  • geschrieben von Susanne Hagel
  • Freigegeben in Politik
Gedenk-Kreuze in Berlin Gedenk-Kreuze in Berlin

Berlin - Anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls entwendeten linke Asyllobbyisten die vierzehn weißen Gedenkkreuze, die als Mahnmal zur Erinnerung an die Berliner Mauertoten an der Spree neben dem Reichstag standen, um auf die Situation heutiger Flüchtlinge an den Grenzen zur EU aufmerksam zu machen. Das "Zentrum für politische Schönheit", das für die Aktion verantwortlich zeichnet, wurde mit zehntausend Euro aus dem Hauptstadtkulturfonds unterstützt.

Vergangenen Montag hatte sich die Gruppe des "Zentrums für politische Schönheit" dazu bekannt, die weißen Kreuze am Bundestag abgeschraubt zu haben, bestätigte deren "künstlerischen Leiter" Philipp Ruch. Ursprünglich erinnerten die Mahnmale an all jene, die bei dem Versuch, aus der DDR zu fliehen, an der Grenze ermordet worden sind. Ruch erklärte, die Kreuze "zu den Schwestern und Brüdern der Mauertoten" gebracht zu haben, "die vor Europas Außenmauer auf ihren Tod warteten". Die Gruppe veröffentlichte Bilder von Flüchtlingen an Europas Außengrenzen, welche Nachbildungen der Kreuze in die Kamera hielten. "Die humanistischen Werte Europas müssen heute an den EU-Außengrenzen verteidigt werden", so Philipp Ruch als Rechtfertigung für die Demontage der Gedenkstätte. "25 Jahre nach dem Fall der Mauer wird Europa militärisch abgeriegelt", ergänzt seine Kollegin Cesy Leonard. "Während in Berlin Ballons in die Luft steigen und die üblichen nostalgischen Reden gehalten werden, bringt die deutsche Zivilgesellschaft in einem Akt politischer Schönheit die europäischen Außenmauern zu Fall." Mit Bolzenschneider, Metallsäge, Fernglas und einer Folie wollte sich die Gruppe auf die Reise entlang des Grenzzaunes der EU machen, um diesen zu sabotieren und den Asylsuchenden symbolisch Einlass zu gewähren. Mittels Crowdfunding wurden innerhalb von vier Tagen über 30.000 Euro für die Bustour zum "Ersten Europäischen Mauerfall" gesammelt. Mehr als 300 Bewerbungen für einen der hundert Sitzplätze seien laut der Gruppe eingegangen. Unter den Reisenden befinde sich angeblich auch die linksextreme Piratenpolitikerin Anne Helm, welche bundesweit mit ihrer "Thanks Bomber-Harris"-Aktion zum Gedenktag der Bombardierung Dresdens für Entsetzen gesorgt hatte. Genutzt hat es den linksextremen Aktivisten nichts: die bulgarische Polizei verhinderte am Sonntagnachmittag, dass die Aktivisten überhaupt in die Nähe des EU-Grenzzauns nahe Lessowo kamen. Mittlerweile befindet sich die Gruppe wohl in Griechenland, wie sie via Facebook mitteilen ließ.

Von Opferverbänden und aus den Reihen der Politik gab es indessen massive Empörung über die Aktion. Bundestagspräsident Norbert Lammert etwa sprach angesichts des Diebstahls der Kreuze von einer "heldenhaften Attitüde, die man für blanken Zynismus halten muss". Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld sah darin einen "Vorgeschmack darauf, wie der Weg zurück in den Totalitarismus aussehen wird". "Dieses humanistische Geschwafel, das nichts anderes ist als sich dicke zu tun auf Kosten der Leute, die darunter leiden, muss aufhören", so Bazon Brock, der als einer der Väter der politischen Aktionskunst gilt. Vor allem der von den Aktivisten beschworene Kunstbezug störe ihn. "Das ist überhaupt keine Kunst - es hat nicht das Geringste damit zu tun, es ist nämlich völlig unüberlegt. Es ist einfach wild provozierend, ohne zu wissen, was man eigentlich durchsetzen will."

Nun wurde bekannt, dass die linksextreme Gruppierung Mittel aus Steuergeldern bezog. Zehntausend Euro habe das "Zentrum für politische Schönheit" aus dem Hauptstadtkulturfonds erhalten. Weiterhin habe es Unterstützung vom Maxim-Gorki-Theater bekommen - welches ebenfalls staatlich unterstützt wird. So habe das Theater nicht nur zahlreiche Kopien der Mauerkreuze für das Zentrum angefertigt, das Theater verweist auch immer noch auf deren Aktion auf ihrer Internetseite und eröffnetesein internationales Festival "Voicing Resistance" am Freitag mit der feierlichen Verabschiedung der Asyllobyistenbusse. Als "dumm und geschmacklos" verurteilte entsprechend Berlins Senatssprecher Richard Meng diesen Teil der offiziellen Eröffnungsaktion am Gorki Theater. Gewusst haben will die Intendantin Shermin Langhoff von dem geplanten Diebstahl aber nichts, wie sie erklärte. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) äußerte aufgrund dieser Sachlage massiv Kritik am Gorki-Theater: "Dass ein Berliner Theater die Würde der Toten und die Geschichte unserer Stadt so mit Füßen tritt, hätte ich vor wenigen Tagen noch für undenkbar gehalten. Besonders bitter ist, dass diese Komplizenschaft offenbar mit Steuergeldern gefördert worden ist. Die Rolle des Maxim-Gorki-Theaters muß dringend aufgeklärt werden", forderte Henkel.

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